In der Vergangenheit wurde – nicht nur bei uns – oft darüber diskutiert, ob die Vorgaben und Satzungen im Bund der Historischen Schützenbruderschaften noch zeitgemäß sind. Über 400.000 Schützen sind in dem Dachverband organisiert und müssen sich an dessen Satzung orientieren. Doch nun erhalten die Brudermeister der Vereine Post, denn eine liberale Ergänzung der Satzung wird diskutiert. Hier in Auszügen ein Bericht des WDR…

Seit dem vergangenen Sommer wird im konservativen Schützenwesen eine hitzige Debatte darüber geführt, wie liberal die Vereine in einer modernen Gesellschaft agieren dürfen. Im westfälischen Dorf Sönnern im Kreis Soest wurde Mithat Gedik im Juli 2014 bei der Bruderschaft St. Georg zum ersten muslimischen Schützenkönig überhaupt gekrönt. Der Dachverband reagierte darauf mit Einschränkungen; Gedik durfte zum Beispiel nicht beim übergeordneten Bezirksschützenfest im Nachbardorf Hilbeck auf den Vogel schießen. Nach einigen Diskussionen durfte er immerhin Schützenkönig bleiben.

Die 13 Brudermeister des Bezirks Werl-Ense, zu dem auch die Bruderschaft St. Georg in Sönnern gehört, legten ihrem Dachverband daraufhin das so genannte „Werler Papier“ vor, das deutliche Liberalisierungen bei der Satzung vorsah. Bei der Hauptvorstandssitzung im vergangenen November wollte sich der Dachverband allerdings noch nicht auf konkrete Reformen einlassen. Jetzt aber will sich der Verband mit eigenen, etwas weniger liberalen Änderungswünschen der Basis stellen. „Die Bruderschaften sollen die vorgeschlagenen Änderungen auch mit ihren Mitgliedern diskutieren“, erläutert Bundespressesprecher Nieborg. „Wir wollen ein Meinungsbild von unten nach oben einholen“, ergänzt er.

Die Ergänzungsvorschläge des Dachverbandes enthalten im Wesentlichen vier Punkte. Auf örtlicher Ebene sollen künftig auch Nicht-Christen offiziell Schützenkönig werden dürfen. Auf den übergeordneten Ebenen des Bezirks oder der Diözese, in denen jeweils mehrere Vereine zusammen gefasst sind, solle es Nicht-Christen allerdings unverändert verwehrt bleiben, Schützenkönig zu werden, so Nieborg.

Geschiedene oder Wiederverheiratete hingegen dürften künftig einen Vorstandsposten in einer Bruderschaft oder ein Führungsamt im Verband übernehmen. Homosexuelle Könige würden zwar geduldet, müssten sich für die Parade allerdings eine Frau suchen – oder alleine voran gehen. „In der Tradition des Schützenfestes gibt es eben nur König und Königin, Mann und Frau“, erklärt Nieborg. Wenngleich homosexuelle Könige bisher immer akzeptiert worden seien, so der Sprecher. Beim Festzug müsse man sich allerdings den althergebrachten Traditionen beugen.

Bei der Hauptvorstandssitzung im November in Langenfeld sollen Meinungen zu den Ergänzungsvorschlägen eingeholt werden. Beschlussfähig ist dann erst die Bundesvertreterversammlung Anfang nächsten Jahres. Der Dachverband gehe mit möglichen Lockerungen deshalb so behutsam um, weil er zum Beispiel fürchte, seine Anerkennung als katholischer Verband zu verlieren und so nicht mehr von den Diözesen gefördert zu werden, so Bundespräses Monsignore Robert Klein aus Köln. Solche Fördergelder fließen zum Beispiel in die Jugendarbeit.

Quelle: wdr.de